über typische Klischees und Vorurteile im Berufsleben, Schubladen-Denken und falsche Erwartungshaltungen

Auf Grund eines Vorfalls, der sich neulich bei Instagram ereignete bin ich ein wenig ins Grübeln gekommen. Kurz zusammengefasst ging es darum, dass ich jemandem sagte, ich sei nebenberuflich Avon-Beraterin. Als Kommentar kam daraufhin eine Bemerkung so in der Art: „Avon Beraterinnen sind noch schlimmer als die Zeugen Jehovas“. Wenn man mich fragt: Das sind nichts weiter als typische Klischees und Vorurteile. Wo auch immer die herkommen…   Mir persönlich passt dieser Schuh nun wirklich so gar nicht und auch unter den Kolleginnen, ist niemand auf den dieser Vorwurf zutreffen würde. Doch offensichtlich hat da ja mal jemand schlechte Erfahrungen gemacht oder plappert einfach die schlechten Erfahrungen von anderen weiter?!

Wollt ihr wissen, wie die Arbeit im Direktvertrieb tatsächlich aussieht? Ein Post dazu ist schon in Vorbereitung. Sobald der fertig ist, verlinke ich ihn dann hier für Euch. ) 

Meiner persönlichen Meinung nach, ist es schlicht und ergreifend ein sehr verbreitetes, typisches Klischee und ein Vorurteil, dass alle Direktvertriebler so „aggressiv“ auf Kundenfang gehen (müssen), dass sie ein „Nein“ auf gar keinen Fall hinnehmen können. Ich will ja gar nicht ausschließen, dass es nicht auch mal das ein oder andere schwarze Schaf gibt. Aber die Regel ist das ganz bestimmt nicht.

Während ich so darüber nachdachte, wie unfair es doch eigentlich ist, dass ich nur wegen meines Jobs direkt in irgendeine Schublade gesteckt werde, fiel mir auf, dass es in so vielen Berufsgruppen und Branchen kein bisschen anders ist. So häufig begegnet man im Berufsleben solch typischen Klischees oder Vorurteilen, dass man die schon gar nicht mehr bewusst als solche wahrnimmt.

Sage mir Deinen Job und ich sage Dir, was für ein Mensch du bist….das sollte doch jedem einleuchten,  dass das nun einmal einfach kompletter Blödsinn ist !! Und trotzdem muss ich gestehen, dass auch ich selbst schon manchmal diesem Fehler aufgesessen bin. Wenn ich gedacht habe, der Klassenlehrer meiner Tochter sei eben ein „typischer“ Lehrer oder ich unwillkürlich überrascht war, als mein Steuerberater mir in Jeans und T-Shirt die Tür aufmachte, statt wie automatisch erwartet in Anzug und Krawatte.

Isses was schweres oder kann’s auch der Chef?

„Isses was Schweres oder kann’s auch der Chef?“ ist eigentlich so ein Spruch, der bei meinem alten Arbeitgeber mal aufgekommen ist, als ein Kunde lieber mit „seiner“ Ansprechpartnerin reden wollte,  als mit unserem Chef (und Geschäftsführer). Der Kunde meinte, es sei so ein hochkomplizierter, schwieriger Fall, den er – nichts für Ungut –  lieber mit der erfahrenen Kollegin diskutieren würde. :-).

Ich bin nicht ganz sicher, ob der Kunde sich in dem Moment bewusst war, wen er da eigentlich gerade am Telefon hatte. Mein Chef hat es jedenfalls mit Humor genommen und sich darüber amüsiert. Seitdem flog immer mal wieder ein scherzhaftes: „Isses was schweres, oder kann’s auch der Chef?“ durch den Raum, wenn jemand Unterstützung oder Hilfe brauchte. 🙂

Damals war es wohl wirklich nur ein Versehen und Missverständnis.  Davon abgesehen kenne ich aber wirklich Leute, die ernsthaft der Meinung sind, als „Chef“ habe man ein recht entspanntes Leben. Man könne sich aus allen Aufgaben einfach die Besten raussuchen und den Rest einfach an seine Mitarbeiter delegieren. Man dürfe kommen und gehen wie man will,  bestimmt selbst, wann mann Feierabend macht, genehmigt seinen eigenen Urlaub.. Und wenn der Laden nicht läuft wie er soll, dann sch.. man seine Mitarbeiter an, sie sollen sich mal ein wenig mehr ins Zeug legen. Haha, was für ein Traumjob 🙂

Die typischen Klischees und Vorurteile bestimmter Berufsgruppen

Der Chef als arbeitsscheuer, cholerischer Egozentriker, der – abgesehen von den Umsatzzahlen – keine Ahnung von den Prozessen und Abläufen in seinem Unternehmen hat?!  Ich frage mich dann immer: Gibt es wirklich solche Vorgesetzten?  Oder woher kommen solche Klischees ?  Und diese beziehen sich ja durchaus nicht nur auf Vorgesetzte, die selbst nicht mehr arbeiten brauchen. Vielmehr gibt es sie ja quer durch alle Branchen und Ebenen.

Der „typische“ Lehrer, der jeden Morgen mit Ledertasche und brauner Cord-Hose das Haus verlässt. Der „typische“ Buchhalter, der vermutlich an die 20 graue Anzüge im Schrank hängen hat, seine Unterhosen persönlich bügelt,  Kassenbons nach dem Einkauf penibel gefaltet in seinem Portemonnaie verwahrt und jegliche Unordnung verteufelt. Die Vorstands-Sekretärin, die den ganzen Tag nur Kaffee kocht, sich die Fingernägel lackiert und sich ansonsten von den Kolleginnen über den neuesten Klatsch- und Tratsch auf dem Laufenden halten lässt.  Beamte, die um 09:00 Uhr starten, von 09:30 – 10:30 Uhr Frühstückspause machen, ehe sie dann um 11:30 Uhr zur Mittagspause gehen, damit sie rechtzeitig um 13:00 Uhr Feierabend machen können… usw. .usw. Ich könnte diese Aufzählung wirklich ewig fortsetzen.

Verrate mir Deinen Job und ich sage Dir wer und wie Du bist ?

Kennt Ihr das auch? Jemand fragt Euch, was Ihr beruflich macht und in dem Moment, in dem Ihr antwortet nickt der Gegenüber wissend. „alles klar..“. So als ob Euer Job, irgendetwas über Euch als Person, Charakter oder sonst irgendetwas aussagen würde. Okay, in manchen Berufen helfen bestimmte Charaktereigenschaften ja nun wirklich, um gut zu sein, in dem was man tut. Ein chaotischer, unorganisierter Buchalter ist vermutlich genauso fehl am Platz, wie eine Krankenschwester ohne ein gewisses Maß an „Helfersyndrom“. Aber in den allermeisten Fällen ist es doch schlicht und ergreifend nichts weiter als irgendwelcher Blödsinn.

Auch mir sind in meinem Berufsleben schon oft solche Klischees und Vorurteile begegnet. Ich habe einige Jahre bei einem Personalberatungsunternehmen gearbeitet. Dort gehört es quasi zum Tagesgeschäft, sich mit solchen Dingen auseinanderzusetzen und sich auch immer wieder zu hinterfragen, ob man beim „Matching“ von Stellenausschreibung und Bewerber sich wirklich nur von Fakten leiten lässt. Dort hat man sie dann im Bewerbungsgesprächen sitzen, die Kandidaten, die gerne Chef werden möchten, weil sie keine Lust haben selbst zu arbeiten. Oder die Personalchefs, die sich zwar insbesondere auch über weibliche Bewerber sehr freuen würden, deren Lebensläufe und Qualifikationsprofile dann aber sicherheitshalber doch nochmal  mit Lupe dreimal von oben bis unten scannen.

Die 3 wirksamsten Tipps wie man Vorurteilen im Job am besten begegnet

Vielleicht gehört Ihr auch in einer der Berufsgruppen, die ganz besonders im „Fokus“ solcher Vorurteile steht. Oder Euch nerven einfach auch schon blöd daher gesagte Sprüche von Freunden, Bekannten, Ehepartnern, die Euren Job nicht ernst nehmen.  Mein Mann hat z. B. mal gefragt, wie ich eigentlich dazu käme, zu behaupten ich würde arbeiten, wo doch mein Job einzig darin bestünde Kaffee zu trinken, ein bisschen herumzutelefonieren und den Bürostuhl warm zu halten ;-(    Nur der Form halber: Ich bin Vertriebsmitarbeiterin mit Produktverantwortung im technischen Großhandel. Ich habe mein Abitur gemacht, eine Ausbildung absolviert und hart dafür gearbeitet, dass ich beruflich heute da stehe, wo ich jetzt bin. Aber typisch oder? Da haben wir’s doch wieder:  Das typische Klischee und Vorurteil: „Büro ist keine Arbeit.“

Wie geht man nun am besten mit solchen Provokationen um?

Meiner persönlichen Meinung nach, funktionieren diese 3 Strategien am Besten:
  1.  Humor !!  Humor und noch mehr Humor. So lange es nur harmlose Klischees sind, die zwar eventuell extrem nerven aber letztlich dann doch niemandem beruflich schaden, sollte man einfach versuchen es mit Humor zu nehmen. Meistens sind solche Sprüche ja wirklich nicht böse gemeint. Und werden ja auch sogar durch die Medien mit Sendungen wie  z. B. „Baumann und Clausen“ (hier geht’s zu den aktuellen Radio-Folgen  https://www.baumannundclausen.de/kategorie/radiofolge/  ) oder  „Das Amt“ , einer Fernsehserie mit Jochen Busse. zusätzlich geprägt und auf die Spitze getrieben. Ich kann mir zwar vorstellen, dass das auch manchmal ganz schön nerven kann, immer direkt mit diesen alten, teils dämlichen, Klischees und Vorurteilen konfrontiert zu sein, aber letztendlich sollte man doch genug Selbstbewusstsein haben, um über solchen Dingen zu stehen und einfach mit zu lachen.
  2. Reden! Ja, manchmal hilft es, den Gegenüber einfach offen anzusprechen. Oft ist es – so wie bei meinem Mann- einfach nur als Scherz gemeint.. ein bisschen ärgern vielleicht.  Eventuell merkt der andere gar nicht, dass er da vielleicht gerade einen Wunden Punkt getroffen hat. Und womöglich hat er sich auch noch nie Gedanken darüber gemacht, dass es für einen selbst eben nicht einfach nur ein „Spruch“ ist, sondern schlichtweg tägliche Realität.
  3. sich Hilfe suchen! Manchmal kommt es zu Situationen, wo das Maß an „humoristischem Klischee“ weit überzogen wird. Kollegen, die einem Immer wieder zu verstehen geben, als Frau habe man es einfach nicht drauf. Oder auch Kunden, die einfach unverschämt und respektlos werden, weil sie sich für etwas Besseres halten. In solchen Fällen, wo Tipp 1 und 2 einfach nicht mehr funktionieren und Grenzen überschritten werden, sollte man nicht zögern sich Hilfe zu suchen. Bestenfalls ist der/die Vorgesetzte da der richtige Ansprechpartner*in einem den Rücken zu stärken.

Und nun seid Ihr dran 🙂  Wie sind Eure Erfahrungen? Was sind so typische Klischees und Vorurteile, mit denen ihr täglich zu tun habt?  Und wie geht ihr damit um? 

Ich freue mich auf Eure Berichte, Erfahrungen und Tipps in den Kommentaren.