Immer wieder liest und hört man neuerdings, man solle sich jetzt am Besten dem einen oder dem anderen Team aus dem Direktvertrieb oder im Network-Marketing anschließen und so, innerhalb kürzester Zeit, bei freier und flexibler Zeiteinteilung und überschaubarem Aufwand seine möglichen Verdienstausfälle, bedingt durch die Corona-Pandemie, zu kompensieren.

Dazu möchte ich dringend ein paar Zeilen loswerden!!

Was genau ist Direktvertrieb oder auch MLM (Multi-Level-Marketing)

Die Vorteile liegen auf der Hand: Direkt-Vertrieb oder Networkmarketing bietet den direkten aber kontaktlosen Vertrieb von Waren oder Dienstleistungen und verspricht eine entsprechende Vertriebsprovision bei erfolgten Verkäufen. Egal ob Schmuck, praktische, langhaltende Plastikdosen, Sexspielzeug, Nahrungsergänzung, Kosmetik… in nahezu allen Bereichen gibt es durchaus seriöse Unternehmen, die seit vielen Jahren am Markt etabliert sind.

Der Einstieg als Beraterin bei solchen Unternehmen ist denkbar einfach und das Risiko überschaubar. Über eine Hotline oder direkt über eine andere Beraterin erhält man alle Informationen, die man benötigt. Wenn man sich für eine Zusammenarbeit entschließt unterschreibt man einen Beratervertrag, der die einzelnen Punkte der Zusammenarbeit regelt. Bei vielen Unternehmen (nicht allen!) muss man am Anfang zunächst in eine „Starterbox“ investieren, die einen guten Querschnitt aller Produkte aus dem Sortiment enthält, so dass man im Grunde direkt loslegen kann.

Als nächstes geht man zunächst zu Freunden und Bekannten und stellt die Produkte vor. WIE man die Produkte vorstellen, bzw. vertreiben darf, kann von Unternehmen zu Unternehmen sehr unterschiedlich sein. Hier empfehle ich jedem dringend, sich genau zu informieren. Nicht jedes Produkt darf beispielsweise online über die Social-Media-Kanäle oder über die großen Online-Portale beworben und vertrieben werden.

Nahezu allen Unternehmen hingegen ähneln sich im pyramidenförmigen Aufbau der Vertriebsorganisation. Eine Beraterin verdient zum einen Geld, an den Umsätzen, die sie selber macht. Darüber hinaus verdient sie aber auch Geld an den Umsätzen, die die von ihr geworbenen neuen Beraterinnen machen. Und sie verdient ggf. ebenfalls Geld an den von denen geworbenen Beraterinnen. Bis in welche Ebene, dies geht, hängt ebenfalls von den einzelnen Unternehmen ab und sollte ggf. im Vorfeld geklärt werden.

Sind diese Vertriebssysteme unseriös? Oder sogar verboten?

Nein, keineswegs! Wer im Zusammenhang mit MLM an unseriöse Vertriebssysteme denkt, meint vermutlich die als „Schneeballsysteme“ bekannten Vertriebe. Diese sind in der Tat unseriös und verboten. Allerdings ist ein wesentliches Merkmal dieser unseriösen Schneeballsysteme die Tatsache, dass es nicht wirklich um den Vertrieb „echter“ Produkte geht. Bei diesen Systemen geht es rein ums Geld verdienen… und zwar verdienen vor allem diejenigen, die ganz oben in der Pyramide sitzen. Wer darüber nachdenkt, als Beraterin bei einem der etablierten Unternehmen anzufangen, braucht sich hier keine Gedanken über die Seriosität zu machen. Diese Unternehmen sind seit vielen Jahren erfolgreich in den Märkten unterwegs und haben meistens sehr gute, erprobte Business- und Provisionskonzepte für Ihre Berater/Innen.

Wer ernsthaft darüber nachdenkt als Berater/In in einem solchen Unternehmen einzusteigen, dem empfehle ich auf jeden Fall, dass man sich gut mit den angebotenen Produkten und Dienstleistungen auseinandersetzen sollte. Bestenfalls findet man ein Unternehmen, bei dem man nicht nur die Produkte toll findet, sondern mit dessen Werten und Unternehmenskultur man sich auch identifizieren kann.

Kann sich jeder als Beraterin für Avon- / Tupper & Co. bewerben und braucht man bestimmte Voraussetzungen?

Grundsätzlich kann sich jeder ab 18 Jahre bewerben. Dies geht meistens sehr einfach über die Homepage des Unternehmens oder noch besser – in dem man mit einer Beraterin Kontakt aufnimmt. Das Einstiegsrisiko ist mehr oder weniger gering. Je nachdem, bei welchem Unternehmen man einsteigt, kann man, darf man, oder muss man eine Starterbox kaufen, die die ersten Produkte , Schulungs- und Präsentationsunterlagen enthält. So vorbereitet kann man dann in die Welt hinaus und erste „Gehversuche“ unternehmen. Und damit sind wir schon direkt bei der zweiten Frage der Überschrift

Die Voraussetzungen Rein formell gesehen, braucht man keine besonderen Voraussetzungen, Vorkenntnisse oder ähnliches. Allerdings habe ich die Erfahrung gemacht, dass der erste Einstieg nicht unbedingt einfach ist. Mit der Starterbox bei der Hand erst einmal alle Freunde und Bekannte anzutelefonieren ist weiß Gott nicht jedermanns Sache. Dazu haben die wahrscheinlich auch nicht unbedingt darauf gewartet, dass nun endlich jemand kommt und ihnen etwas zum Kauf anbietet. Daher sollte man auf jeden Fall ein gewisses Maß an Ausdauer und Hartnäckigkeit mit bringen und auch mit Überzeugung hinter der Sache stehen können, die man macht (sowohl hinter den Produkten als auch hinter dem Unternehmen). Vorkenntnisse aus dem Bereich Marketing oder Vertrieb können zwar eventuell etwas helfen. Letztendlich ist es aber mehr eine Frage des „langen Atems“ – vielleicht noch in Kombination mit der Fähigkeit Netzwerke aufzubauen und einer gewissen Leidenschaft und Motivation für den Erfolg.

Und kann ich nun meine Verdienstausfälle durch solch eine Beratertätigkeit im Strukturvertrieb (wie Avon, Tupper, u.v.m.) ausgleichen?

Also wenn ihr mich fragt: AUF GAR KEINEN FALL!! Zumindest nicht kurzfristig. Egal, was versprochen wird: (nahezu) risikofreier Einstieg, ein tolles Produkt, ein grandioses Team, das jederzeit Unterstützung und Support bietet, etablierte Vertriebsstrategien, umfassende (online) Schulungsmöglichkeiten, gute Verdienstmöglichkeiten, etc. etc. glaubt das alles ruhig! Doch glaubt auf gar, gar, GAR keinen Fall, dass der eigene Erfolg dadurch quasi zu einem Selbstgänger wird. Es ist – wie ich selbst schon feststellen musste – ganz einfach harte Arbeit, die ein hohes Maß an Kontinuität und Ausdauer erfordert. Erfolg ist mit Sicherheit nicht ausgeschlossen – davon gehe ich aus, sonst würde ich das ja nicht machen 🙂 – aber es erfordert wirklich ein gewisses Maß an Hartnäckigkeit, Langatmigkeit und Kreativität.

Wer glaubt, er könnte mit solch einer Tätigkeit nach ein paar Wochen/Monaten seine Miete zahlen, wird wohl ziemlich schnell ziemlich enttäuscht sein. Es dauert, bis man seine ersten Kunden hat, erst recht bis man sich einen festen Kundenstamm aufgebaut hat und bis man wirklich ins „verdienen“ kommt, dauert es noch länger. Bei mir waren die ersten Monate eher so, dass ich statt zu verdienen erst einmal Ausgaben hatte. Ich musste/ wollte die Produkte kennen lernen, selbst ausprobieren, auf meinen Social Media Kanälen vorstellen.

Also: Wer Spaß am Vertrieb hat, nach gründlicher Recherche das passende Unternehmen und eine geeignete Produktsparte (entsprechend der eigenen Interessen) für sich gefunden hat, ein hohes Maß an Motivation und Überzeugung mitbringt und bereit ist, langfristig an seinem Erfolg zu arbeiten, für den könnte das der richtige Weg sein.

Allen anderen kann ich nur raten: Finger weg! Das schnelle Geld verdient man anders! (keine Ahnung wie.. wer er es herausfindet, darf es mir gern als Tipp in die Kommentare schreiben 🙂 )

Wer nun immer noch ernsthaftes, lang-angelegtes Interesse an einer Tätigkeit als Beraterin im Strukturvertrieb hat, sich für Kosmetik, Fashion, Schmuck, Anti-Aging oder Handtaschen begeistern kann und sich mit Werten wie Einsatz für weltweite Frauenrechte, Initiativen gegen Brustkrebs, gegen häusliche Gewalt an Frauen, etc identifizieren kann, der darf mich gerne anschreiben für mehr Informationen zu einer Berater/Innen Tätigkeit bei AVON 🙂

Natürlich freue ich mich auch über Kommentare, wenn Ihr bereits Erfahrung im Direktvertrieb habt und meine Erfahrungen bestätigen könnt.. oder seid ihr eventuell sogar komplett anderer Meinung?